Dorothea Grünzweig

in den sommer sein grün ganz hineinkommen

 

von deutschland kam ich zurück mit boxerohren

der sprachlärm schlug so zu dass ich dicke verbläute

ohrmuscheln habe die sich nicht punktieren lassen

 

doch kann ich trotzdem hier im dorf die leisen wörter

hören wie sie aus laubenden ästen schießen  der saat

aus grastrieben vögeln insekten  die luft erfüllen

und verschmelzen mit dem schnalzen der nachtigallen

 

vjell und ich wie wandernde wolken schieben

unser wohnen vor in die veranda   hängen die fenster

aus    bringen die ferngläser an    entrollen die matten

 

werden bald auch nicht mehr hier schlafen  nämlich

in das gartenoffene weiterziehen    ja lassen uns

schlicht mitreißen  lassen uns ergreifen    grün grün

bis auf die knochen  verbirkt verespt verahornt werden

 

 

 

im borealen nachtgelände

 

unser nächtlicher streifzug begann bei der hütte   führte uns

auf den skiern weit  und manchmal in die irre     wir froren

jenseits des felds lag das verlassene samische dorf   die jungen

waren in den süden gezogen  die alten gestorben  wir sahen

die in den schnee geduckten zierlichen gehöfte  und machten halt

 

schauten hinüber  es lösten sich gestalten aus den türöffnungen

jugendliche und gebeugte traten vor die häuser  sie schienen

nachts zu ihrem früheren leben zurückzukehren  wir konnten es

plötzlich nicht mehr sagen  war das dorf doch noch bewohnt

war unser zeitverständnis    unser wissen durcheinandergeraten

 

sie winkten und riefen kommt herüber zu uns wärmt euch auf  wir

beherbergen euch   wir waren durchgeforen    fuhren weiter

der lockruf vom dorf ging uns nach  ließ uns schwanken   es lag

auch an dem starken wind in dieser nacht  zusammen mit der kälte

hatte er unser ich ausgeschlagen wie feuer das es zu ersticken gilt

 

später riss der himmel auf  die sterne erschienen   offenbarten sich

als zitzen   wir sollten an ihnen saugen  uns aufwärmen wieder zu

uns kommen  zurückfinden   wir gelangten zur hütte gingen hinein

begannen unser von einer gewissen gegenwart beglaubigtes sich

festigendes herz zu spüren   am abend aber strebt es erneut hinaus

 

 

 

hände sehen    verstehen

                          es gibt zwei arten

in cafés zügen und parks sie vergleichen   sie zählen

 

strablige hände getrieben 

                         mit den fingern am fon

sie kitzeln gispelig bilder heraus und wörter die blitzen

 

herzen zappeln dabei        

                        hirne zucken und münder

überdrehen die drei fuchteln die hände um sich sind ruppig

 

hände finden    verstehen

                         es gibt zwei arten

und gleichmütig liegende hände an büchern    sie schwinden

 

sieht man sie wird man still  

                               über ihnen träumen gesichter

denn lassen die hände los  sind sie gelöst        fordern nichts

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