Marica Bodrožić

I
DIE MAULWÜRFE SIND IMMER DA dynamisch geht’s ans Dunkle an der
Hauswand sieht alles nach Sommer aus ein Herzflorett stößt den einen ins Glauben
den anderen in den sicheren Tod oder in einen lebenslangen Phantomschmerz
besonders bei Fahrten in der U-Bahn oder beim exotischen Exodus für eine Weile
ist das die Welt an der alles hängt so wie sich
alles in den Abhörgeräten versteckt
was einem Menschen die Welt ist oder ein Sommer wie er für ihn ohne Maulwürfe
gewesen wäre das ist auch eine Möglichkeit Federn zu lassen und ein wilder
Singvogel zu bleiben es werden dabei doppelbödige Wahrheiten verwirkt
einer kämmt sich froh das Haar am Abend wird aber die Läuse aus dem
Phantomschmerz nicht los weil das Glück einen Reißverschluss hat und die
Insekten niemanden brauchen um sich von allein in irgendetwas anderes zu
verwandeln.
II
SITZEN DIE KRÄHEN AM STRASSENRAND und denken sich nichts beim
Schwarzsein die Erde aber hat Phantomschmerzen sie denkt mit bedenkt auch die
Erinnerung bedenkt die Schwärze
der Krähen unter einem Baum an einem Tor in einem Sommer in der eine UN-
Schutzzone ein Grab schaufeln ließ für alle Männer eines Ortes mitten in Europa
hörten 8000 Liebesgeschichten auf 8000 Gedächtnisse sickerten in die Erde und die
Krähen picken noch immer an ihren Namen sitzen noch immer unwissend auf ihren
Schädeln am Straßenrand.
III
ALLES IN DEN ABHÖRGERÄTEN VERSTECKT die Sonde bohrt sich in ein
wetterfühliges Knie ist der Staatsapparat bedroht nimmt er auch Raketen zur Hilfe
und alles wird von oben betrachtet eine neue Welt voller Möglichkeiten
jeder Satz ein vermintes Gebiet
sich ins Bild macht den Durchreisenden wieder zu einem Menschen mit einem
Körper ein Fahrrad fällt um ein Empfindsamer denkt sich im Fallzusammenhang
und schon hat er ein Argument und einen Anlass zu einer Rede er berichtet der
Welt vom Fahrrad und vom Fall und alle glauben ihm dabei ist die Sonde an einem
anderen Knie angebracht und weder das eine noch das andere lässt sich irgendwie
beweisen.
IV
ERINNERUNG BEDENKT DIE SCHWÄRZE und die Vögel stehen in den
zugeschnürten Bildern so wissend mit Gesichtern unserer Vorfahren reihenweise
auf den traumwärts ausgelegten Leimruten und wer die Wirklichkeit überprüfen
will braucht nur durch Europa zu reisen im Süden vor allem
wo es noch immer echte Vogelfallen
Schlageisen Rosshaarschlingen Steinschlagfallen gibt am Mittelmeer sind sie wie
Feigen und Orangen und Liebe zu haben Verbote ziehen hier nur ein müdes
Lächeln nach sich.
V
JEDER SATZ EIN VERMINTES GEBIET eine Einbahnstrasse Richtung
Gedächtnis ein Sommer ein Erinnerungsfaden ein Mensch der kein Mensch wurde
ein Punkt im Kopf eine Zelle im Bauch einer Frau wird nie diese Bäume sehen
diese Flüsse dieses Grün diesen Frühling riechen diese Vögel hören wird nie
erfahren was Menschen mit Vögeln machen auch mit den blauen auch mit den roten
gelben schönen Vögeln verfahren sie genauso wie mit den schlichten kleinen
grauen es gibt Menschen in Bayern zum Beispiel die haben eine Internetseite und
nennen sie „Eine bayerische Fanjagdseite
über die Leidenschaft eines Fallenstellers
und Fallensammlers“ heißt sie und dann ist es doch gut einen Punkt im Kopf stehen
zu lassen und eine Zelle kein Mensch sein zu lassen der das auch noch alles
erfahren muss oder gibt es kein Umgehen wer Vögel liebt muss auch ums Tun der
Fallensammler wissen.
VI
WO ES NOCH IMMER ECHTE VOGELFALLEN GIBT ist auch das Geld beste
Fiktion für die manch einer töten möchte und ein Kind ist fern und von Ferne übt es
das Lächeln für die nächste Geburt es schleust sich ein in einen anderen
Mutterkanal
blaublau ist der Fluss
in dem das Leben schwankt ein Glücksschwanken gibt es auch in der Mitte eines
Wirbels wirkt nichts außer Gegenwart und Wärter sind auswärts und alle
Eingesperrten arbeiten in der Gefängnisbibliothek bekommen für jede erlesene
Seite ein bisschen Geld es ist ein gutes Verfahren ein Kind das ein Lächeln übt
kann vielleicht in einer solchen Welt ein Lächeln werden auch für die Eingesperrten
von denen es heißt sie hätten einst in einem 15. Stockwerk das ganze Land
verhökert und Währungen ins Schwanken gebracht ein glückfernes Schwanken
war’s versteht sich.
VII
ÜBER DIE LEIDENSCHAFT EINES FALLENSTELLERS weiß man nichts in
diesem Juni kommen die Regen kommen und gehen mitten im Sommer werden die
Frauen müde am Alten müde am Bravsein müde weil sie lesen werden sie wach
immer nur freundlich zu sein hat sich nicht ausgezahlt nur ausgedehnt ins alte
möchtegernmagische Machtverhältnis
es ist Juni
die Linden blühen die Leidenschaft eines Fallenstellers ist gelähmt auch ohne Hitze
hat er es schwer in diesem Sommer zu bestehen der Wind kommt und geht und
überall weht die Luft wie am fordernden Meer.
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