Silke Peters

So weit kaputt [Auszug]

Ich bekam Schweißausbrüche und versuchte in so einem Mantel zu stehen. Durchsagen und Notfälle mit unbestimmten Verspätungen. Geputzte Schuhe als ich nach unten sah. Ein Aufblitzen. Grippeniesen und nachträglicher Bürosport. Die letzten Schlagzeilen waren noch nicht ganz entwertet. Nach Hause fahren an den See. Es ist zu spät. Ich verlor mein Gleichgewicht und fand Neukölln. Ich gab nicht vor irgendetwas zu verstehen. Den veralteten Stadtplan ohne Ring oder deine Strasse die fehlte auf der Zeichnung. Ulrike hatte ein so hoffnungsvolles Gesicht als sie von den Fällen aus ihrem Büro sprach. Sie sah gesund aus und ich werde es gewiss überleben so sah sie aus. Sie hatte ein Gesprächsthema. Einen Praktikumsplatz. Bürograue Anzüge im Schrank. Und gewiss einen Vater. Keinen Namen für mich Ursula. Ein bisschen zu altmodisch vielleicht. Ich war freigiebig. Die Verdrängungen würden erst viel später platzen wenn überhaupt. Tratsch. Alle waren so gefasst in den Unwägbarkeiten des Nahverkehrs das konnte ich erst viel später schätzen. Heute ist der erste September. Ich habe mir deine Stadt immer so vorgestellt in Einsamkeit. Scheinbare Zusammenhänge Zufälle. Kontingenz. Wenn ich von dort her denke. Von Mecklenburg aus. Da habe ich die Füße im Fluss. Und eine halbe Planstelle Undine in der Tasche. Der Körperausdruck ist leicht gestört. Ralph tritt mit Wut gegen den Colaautomaten auf dem Bahnsteig. Er macht eine kleine Delle in den Text in meine Aufmerksamkeit. Der Verrückte hat in dieser Suppe seinen Platz. Im kleinen Grenzverkehr. Ich fahre den ganzen Tag U-Bahn. Winterluft im Sommer. Texte deine Schlagzeilen. Reime dich auf. Bin immer schon zu spät dran den ganzen Tag über brauche ich länger als ich dachte. Die Fahrradfahrer haben es aber noch eiliger. Sie ist völlig versunken. Annegret. Unbegreifbar in ihrer Aureole aus Platin wie mir jetzt scheint. Ich weiche erschrocken aus. Schlendere. Scheherezade seitenlang.  An der Spree sitzen. Nicht ganz. Die Bootsnamen schreiben mir einen Text auf den Tisch. Hoffnung und ein günstiges Angebot. Ich komme nicht mehr zurück die letzte Bahn ging schon. Und fährt gestückelt. Vor und zurück. So ein Leben führe ich seit dem die Kinder da sind. Nachtarbeit und die Augenringe für den Durchblick. Eine Reihenhausverbannung nach Jahren kommst du wieder frei. Die Erinnerungsschliere spult sich wieder und wieder auf eine tägliche Runde die du läufst. Mit dem Hund.

 

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Eine private Chiffre die  ausgestaltet fest und angreifbar wird wie ein Henkel. Ich steige aus. Im Regen. Einen geborgten Fahrschein in der Hand. Ich komme schon. Die anderen ich weiß es regnet in der ganzen Stadt. Das Viertel sieht nachts und in der Woche ganz anders aus. Dieser Rückweg. Das Banner entrollt sich mit der Bildunterschrift: Monade im Regen. Das Gespräch fließt mir nur noch rau aus dem Mund. Wir haben keine gemeinsame Unterschrift mehr. Das Leben eine Anwendung der mühsam erlernten Funktionen. Lächeln. Im rechten Moment. Wenn das so lang dauert. Der Sommer wird gespült. Noch einmal. Wir saßen an der Spree. Ich schrieb die Bootsnamen mit. Sätze. Ich musste nichts tun. In diese Lücken ergießt sich alles was ich hab. Ich habe es gut. Ich habe trockenes Haar. Ein Reparaturset seit neustem. So weit kaputt. Ist dies. Kunst. Geräumte Galerien. Und in den anderen drücken sich morgens die Künstler herum. Ich bin. Neorealismus um eine Dimension erweitert. Unter einem anderen Vorzeichen unter einem anderen Land. Da geschieht es. Ich war und bin wie verborgen. Die Geschichten die es nicht gibt. Abgesichert mit Bismarckhering wenn ich am Hafen stehe. Wir haben Bilder. Wir zeigen sie uns aufwendig. Wir gehen darauf ein. Wir werden still. Noch nicht ganz. Dieser Prospekt hatte seine Wirkung getan als ich ihn zu dir rüber schob. Die Gesprächsrichtung änderte sich.  Eine Bifurkation. Ich werde nie mehr über den anderen Handlungsstrang wissen er verschwand sofort mit Annegret um die Ecke. Im Regen hatte die Aureole die Farbe von  mattem Silber. Und ich hatte eine Portion von Irgendetwas auf der Hand. Daran kauten wir lange und du. Wir entwickelten Pläne einen regen Tauschhandel mit durchsichtigem Lächeln von deiner Person wie abgelöst. Das schien gelungen mitten in der Stadt. Unwahrscheinlich.  Das war schon was. Auch wenn Harald mir nicht ganz glaubte. Dieses Lächeln blieb. Wir haben uns dann lange nicht mehr gesehen. Manchmal waren einfach zu viele Leute da für ein Gespräch. Verlangsamter Tiefsinn wenn du immer so lang in den See schauen musst in den Pausen. Ich habe mich neulich erfunden. Bin immer noch ein bisschen roh von dem Schnupfen der mich dabei plagte. Und ich konnte eine Fahrradtour ins Umland planen. Das konnte ich. An der Spree entlang. Die Wichtigkeiten flirrten in der Sonne. Hatten noch Kraft Schattengärten lagerten in Betonfällen.

 

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Hier wurde der Geruch gehütet untertags. Ocker und Blau. Ich gehe zu Fuß soweit es geht den ganzen Tag über ich komme zu spät. Untertreibe mit mir. Ich trinke Wasser. Später Wein. So hatte ich es mir immer vorgestellt. Irgendwann sieht man sich ähnlich. Mit Schweißperlen auf der Stirn von der Morgenrunde. Aussteigen und zu Fuß gehen. Die Abfahrt hatte sich bei mir verzögert. Innerlich. Eine gut gehütete Lage. Ein bisschen geheimnisvoll. Niemand erscheint wieder. Außer Annegret. Die einzig klare Erinnerung an diesen Tag. Sie war so schnell vorbei.  Sekunden. Das bewegte Standbild. Ein Restanker in der vorgelagerten Bucht. Rillen im Teer. Wir unterhalten uns über Muster und Wahrscheinlichkeiten. Louise sagtest du. Ich werde es mir merken.  Diesen leiblichen Vorgang eines Gedankens. Intrinsisch. Die Haare waren kaputt sagte die Frisörin in dem neu eröffneten Geschäft  gab es eine Rabattaktion. Haare in der Farbe eines Sonnenhutes hatte Annegret.  Die Reihenfolge in der Begrüßung. Mir war es zu viel. Ich hielt mich an die Regeln. Was schaust du denn so Dieter. Als ich deine Hausnummer nicht mehr wusste da war es gut. Da war der Tag zu spät. Erbarmungslos mit mir. Wenn du jetzt nicht auf den Vermeidungsmodus umschaltest hast du gewonnen. Bleibst beweglich bis ins hohe Alter. Mir wird die betrunkene Fünfundsiebzigjährige einfallen. Die verrutschte Schminke. Der Wein wird nur flaschenweise verkauft hörte ich später. Ich sehe mich nachträglich im Badspiegel dieser Tagungsanlage. Ein gerüttelt Maß an Altersunbeherrschtheit zum Frühstück. Wenn alle Korrekturen aus dem Haar sind. Wir rannten zur S-Bahn an diesem Abend. Ein farbunwahrscheinliches Wolkengebirge wurde da draußen ausgeleuchtet hinter dem Panoramafenster befanden sich noch Zugvögel. Ich befand mich in privilegierter Lage. Noch. Heute morgen hatte ich deine Nachricht gelesen. Ich kann mich noch immer nicht entscheiden. Für deine innere Ordnung und Sicherheit bin ich nicht da. Wir rannten durch Neuköln. Der Regen. Der Regen kam erst als ich von Mitte aus weiter lief. Noch einmal. Spüren. Was du sagtest. Das verdichtete zähe Schild errichten hinter dem ich mich verstecken konnte wenn der Tag wieder einmal eine Nische ergab. Eine angemahnte. Annegret. Dieter das ist für den Rest und für die Fetzen die blieben als ich alles auf einmal fugenlos vergaß.

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