Sascha Kokot

ich höre den Sturm an der Stadt zerren

sich am Balkon gegenüber kahl und klar einstimmen

unter einer grauen Decke Gruben und Straßen schottern

im letzten Lichtkegel zieht er blind seine Kreise

dahinter verkriechen sich Tiere zum Dämmern

du hältst Ausschau nach dieser Brache

zwischen Riss und Rost suchst du nach Spuren

sie treiben mit dir unter dem Vorhof umher

drängen dich weiter ab vom Sprachgestrüpp

das du dir wie auf Besuch mit mir geteilt hast

dort kühlen noch Worte aus lose verstreut

neben deinem Namen für mich ganz unleserlich

 

 

das Licht zerstreut sich

in den oberen Schichten

legt die Tage ohne Regen frei

sickert in die dicken Jacken ein

ihr Geruch steht lange im Flur

auf unseren Wegen durch die Trinkhallen

schwelt es im Futter um uns

die Trockenheit höhlt uns aus

was wir runterkippen hält nur kurz vor

dann treibt es uns wieder um

bis wir nicht mehr merken dass

die Lampen längst angesprungen sind

wir all das schon viel zu gut kennen

und keine Angst mehr haben

vor der Dämmerung in uns

 

 

dein Mund bleibt dir auch Wochen später leer

du trägst die letzten Blätter zusammen

die Schrift ist dir schon fremd

das Papier von minderer Qualität

immer wieder brechen Fasern hervor

und du erschrickst wenn sich ein Haar

über all die Jahre daran verfangen hält

bist dir nicht sicher von wem es ist

von dir oder aus der Zeit weit davor

es macht keinen Unterschied was du entsorgst

dir bleibt kein Raum du wirst hier nicht gebraucht

irgendwo parterre und ohne Küche

die Schalter für das Licht liegen gut versteckt

außerhalb deiner Reichweite schlägst du ins Leere

so wie in dieser Wohnung verstehst du die Ordnung

der Möbel, Teppiche und Türen nicht

ohne Verwendung stehen sie an ihren Plätzen

bis du alles fortgetragen dich langsam leer geräumt hast

Zurück zur Auswahl