Jiří Daníček

Prophezeiung

Schreib auf Papier, wie du verdammt nochmal heißt, Prophet soundso, Prophet ersten Ranges – und prophezeie, was war und was ist. Und wennʼs stimmt, bist du ein wahrer Prophet und wenn nicht, dann ein falscher, doch immerhin Prophet. Also prophezeie, ringe die Hände, rücke Tische und nenne die Zahl, die letztes Jahr in Mesopotamien gelost wurde. Sag nicht, du seist es nicht, das sagt jeder und daran ist‘s igentlich auch zu erkennen. Wir wissen Bescheid.

Du kannst dich gar nicht irren, denn Tränen fließen, Vögel ernten nicht, kein Rauch ohne Feuer, der Esel trabt nicht ohne Schläge, die Toten verwesen und auf April folgt der Mai.

Prophezeie Morgenkaffee, Zuckerwürfel, etwas warme Milch. Oder wie uns alle mochten und jetzt nicht mehr. Prophezeie überhaupt all das, was wir nicht hatten, wo wir nicht waren, unausgefüllte Formulare, was ausgetrunken ist und wurde. Wir haben gelacht, das prophezeie, und dass uns Arzneien und Salben und Parfum und auch Zigaretten ausgehen.

Und alles ist hin. Asche fällt, die Schatten werden länger und du siehst: Die riesige Stadt voller Menschen und Tiere lebt einfach weiter.      



Aus: Směr písma (Richtung der Schrift), Verlag Ztichlá klika, Prag, 2015

(Aus dem Tschechischen von Daniela Pusch)

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