Michael Hillen

seine mutter erzählt

kosmetifizierung, postkutscherationsepoche:

er bildet soeben in seinem zimmer wörter, und ich weiß nicht,

er ist ja erst fünf, um wieviel ferner sie ihm zurückblicken

betrachtet er sie aus aller nähe. läutete jetzt

durchs offene fenster die glocke der

eingeweihten kirche, das lärmen würde ihm das mark

aus den knochen ziehn, würde rüde verzerren

die feineinstellung seiner auf: leise unmerklich unveränderlich

justierten seele. besser es läutet ein wort in ihm

das jemand erwähnt im gespräch, klopstock etwa

oder zürchersee, hölderlin oder hyperion, und im selben augenblick

schaut er die verse ab in seiner photothek

in der er die aufnahmen bewahrt der unpaginierten seiten

von einem halben tausend bücher.

darunter auch das alte hausrezept nach dem

großmutter vergangenen sonntag ein dessert zubereitete.

die roten früchte darin schmecken mir, versicherte er geradsinnig,

wie eine hautkrankheit.

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