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Keith Barnes Die Wasser werden Schaukeln |
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Die wasser werden meine worte schaukeln meine augen werden verschwimmen meine zeilen kippen an der oberfläche um während ich sinke abwärts wo die nonnen mit barmherzigen armen der heilung mich in ihre flickensteppdecke aus durchsonnten kirchhöfen einfangen wo himmel mit schneidgräsern spielen pimpernellen und fliegen Ich werde mich dem toten lamm anschließen im blühenden apfelbaum alte männer mit phantastischen spazierstöcken knorrig wie fäuste die vor camembert-überkrusteten mauern sitzen wo nichts geschmackloses vorschnellt keine neuen villen Sterben werde ich wie du so oft unsäglich wolltest Ich werde dir beim abschied zulachen „Aufwiedersehen in der hölle“ Ich werde heulen Ich werde dir durch zusammengekniffene schmollende porzellanlippen hinterherspuken dich mitten aus des grabes plastikflora heraus necken während würmer schlingen und von meinem worthornigen nacken purzeln Ich werde dich bitten dich nicht zu winden Ich bin gewaschen worden Das ist normal Ich werde postkarten schicken -„Wünschte du wärest hier“ Zuletzt werde ich in den schritt deines tanzes einfallen und du wirst mich loswerden Ich werde keine melodie bestellen für dich der nie daran denkt einen auszugeben Ich spür die würmer sich auf meiner haut schon krümmen Willkommen gesellschaft zuletzt nehm ich dich hin Alter freund du bist wie ein weggebürsteter floh - du kehrst wieder Komm Ich lächle für dich will nicht kratzen Komm gib mir die tode diese neo-armen preisen sie als wären sie das leben welches stets versuchte mich dazu zu treiben Etwas zu sein wo doch Nichts alles war was ich erreichte Mein tod wird deine Lebensbahn in vollkommenheit spiegeln: wasser werden meine worte schaukeln meine augen werden verschwimmen Gott Gib Mir
Meinen Knochen Wieder Gott gib mir meinen knochen wieder gib mir meine rippe zurück die du entwendet hast flieg Petrus flieg Paulus davon Gib mir ihre daumen zurück in der ecke der bücher abgegriffenem rücken so wie seiten sind für querverweise Als ich sie erblicke ist sie in ihrem wagen sicherheitsglas unter regen Sie windschutzscheiben-wischt mir und sie lippt was ihr kassettenspieler über ihre stimme weiß Irgendwo muss da ein schnappschuss sein polaroid davon wie wir es um die ecke brachten oder von deiner mächtigen hand von meiner seite stehlend während ich im koma liege Irgendwo muss da ein telegramm sein das schildert wie sie ihr haupthaar ausreißt zwischen ihre knöchel geklemmte transistoren die auseinanderlegen was liebe ist was weiblich was ein mann ist - symbole obwohl der mond kalt ist wasser friert und frau heiß ist frau ist eine konstante frau ist eine sonne Sie gibt mir den schlüssel zu ihrer wohnung ich trete in wärme das bett ist ungemacht schlafanzüge papiertaschentücher darin tickende uhr ein kissen zerknautscht ich bin ein holztisch ein holzstuhl welke blumen ein spielzeug ein brief verdorrte frucht ich bin eine Nordeuropäische vorstadt eine graue wunde die nicht heilt die nicht wehtut ich bin ein wartezimmer ein schwächelndes licht Ich registriere - die kluft in mir ist schmerzlos undurchsichtig ich kann ihre schuhgröße exakt erinnern exakt das datum an dem ihre leihbücher fällig sind Sie sagt sie sei wund sie hat überhaupt keine haut Fass sie an und sie tut valium ins telefon und ich bin Babel und du grausamer gott-lümmel zerschmettertest uns verhingst dass wir nichts auslegen werden Gott gib mir wieder gib mir meinen knochen zurück ich dachte nie ich würde weinen außer es regnet so einsam am stück Brief aus
der Regenzeit Das wetter ist kälter himmel grau mit scharfen winden Die berge haben sich eingedunkelt und sind nähergerückt dann wagen sie sich jedesmal hervor wenn sonne sie ins auge fasst Also los bäume und büsche werfen sich stehenden fußes in den kampf umeinanderher torkelnd sich verheddernd reißend an den gliedern als ich dich bei der tür anfahre dich anbrülle den bolzen in seiner halterung rückwärts-raus zu drehen Ich stand am fenster ein rasantes chaos zu beobachten es durchzuckte den offenen himmel über der see die zähes weißes farnkraut um die küste peitschte Wir hatten uns gestritten beim versuch ein feuer zu machen Du warst ein solches luder du wolltest mich dich grad nicht nehmen lassen nackt aufgemotzt auf deinen hohen absätzen faules luder du tatest nichts du lagst im bett und wolltest nicht aufstehen und wolltest nicht helfen und wolltest nichts lindern Die neonblitze löschten die gelbe flamme im hohen glas der kerosinlampe aus Wir hatten ein feuer zu machen versucht und gestritten Der himmel zur rechten altmeisterliches hellblau zur linken ein aus grau-braunem dunst gesponnenes netz mehr himmel mehr land unzertrennlich zu machen den küstenstreifen einzutrüben dann wuchsen dunkle schwaden wie auf einem löschblatt auf den trockenen weißen steinen unter unserem fenster und ich zog die läden zu „Wie lange wird es anhalten?“ Nie stellten wir die frage Der wind blies rauh riss an den blättern draußen Wir dachten daran unabhängig voneinander waren müde ausweichend Der regen fegte durch uns und zerbarst an unseren mauern Noch liebten wir einander noch hassten wir Eintausend nägel aus regen wurden ins dach gehämmert hassten uns selbst aber hassten getrennt nicht gewillt im dasein des anderen wahrzuhaben was unversöhnlich war für unser eigenes und was wir im eigenen nicht wahrhaben wollten „Wann gehst du?“ Du wolltest mir nicht antworten Ich hätte dich umbringen können an diesem tag Ich schüttelte dich durch „Rühr dich mal du faules luder tu etwas -etwas- - Also gut - bleib noch - aber wir sind keine freunde - nur freunde“ doch plötzlich drehte mein zorn ab und verzog sich in die sparren dieses roh gezimmerten raumes und du warfst dich auf unser armes hartes trauriges bett mich der besänftigung lange gelagerten weins überlassend dieser verrückten betrunkenen hoffnungslosen freiheit viel näher die in der nutzlosigkeit des einsamseins besteht … Die hohen bäume wanken weiter die sterne erkalten ich stelle mir vor ich höre deine absätze hinter mir klacken doch ist es das tick-tack sonst gar nichts der uhr und ich harre an diesem tisch aus verwurzelt während der himmel birst und regen niederprasselt seine tätowierung auf das dach zu klatschen An einen
Realisten Wir sind mosaikartig ein schwall verstreuter blätter ein haufe aus berührungen versprengt und gemäht im vorübergehen Wir wachsen wie straßen zu städten gewachsen sind abgebürstete revers ausgefallene fasern geflochtene strähnen von haar Die gestorben sind oder fortgingen oder verschwanden halten sich oftmals am zähesten stärksten in uns Sie führen uns dorthin wo keiner mehr etwas versteht über umwege unbehauste gelände traumbombenfelder gegenden die keine linse kein auge leichthin ermessen kann Wir umfangen wörter Wir sind umfangene wörter sind nachgemachte gesten und geborgte blicke Wir verfluchten verfluchung sind zweifel bezweifeln am meisten uns selbst vergewissern uns kaum des nächsten augenblicks beim versuch unseren schatten auf die füße zu treten als würden wir irgendeine unveränderlichkeit zu unseren gunsten verbiegen und formulieren irgendeinen sinn hinter der im vertanen gemachten bewegung Wir graben um dunst zu begraben graben tief kopfunter und denken wir senken fundamente Wir erhöhen die böschung den fluss zu verlangsamen bewehren burgmauern den stürmischen ozean aufzuhalten Wir feuchten einen finger an den wind zu drehen – aber die realität trägt keine scheuklappen und das bisschen realität ist nicht diese vorgefundene ordnung Der der sein haus auf sand baut ist der realist Der für immer in rinnenden sanden versinkt wie im hochgefühl so als ginge musik durch den geist für die wir risiken und fehden auf uns nehmen irgendjemand Irgendjemand kommt immer schmiert kreuze an die wand ein berserker-jemand schüttelt unseres hauses gerüst reißt türen aus zerschlägt gips glas schleudert weit die angeln fort jedwedes brett und ziegel jeder nagel hat zu tanzen bis das dach am boden liegt an seinen trümmern schnüffelnd wenn durch den auffliegenden staub der dunst kommt driftend driftend
Öffentliche
plätze Ich stelle mir vor dass alles endet wie es begann in echo-weißen karbolischen korridoren scheuer-brettriger ersatz-sitziger öffentlicher warteplätze wo es keine schützende ecke gibt oder eine wärme von auge oder hand oder etwas derart körperliches als ob aus fleisch zu sein an sich verbrechen wäre Nirgends sich einzuschleichen und zu verstecken das notwendige nest für alle menschliche zurechnungsfähigkeit zu machen Auf zuruf die hacken zusammenknallen zuname uniform Auf zuruf maschinengetippte listen baumwolle mit knöpfen dran Auf zuruf zu begreifen dass man nicht länger sich selbst gehört wie man gedacht hatte doch zur gesellschaft Dass man en gros eingekauft ist -knochen muskeln und gehirn total und vor gericht gestellt für unbegangene verbrechen Schuldig geboren geboren zu schüttelfrost brot zur strafe zum urteil durch diese öffentlichen augen die wütend funkeln El Greco Artaud Van Gogh in haft verdammt von diesen hochragenden geistern welche die durchschnittliche klinik- armenhausklapsmühle visualisierten und bauten den kasernengerichtssaal und die gefängniszelle die einwanderungsbehörde endbahnhöfe Und du fragst dich warum ich immer unsozial fühlte Ich stelle mir vor Ich fürchte es endet wie es begann mit dem einzelnen entkleidet von allem was die augen in ihm finden können der auf ihrer geraden weißen linie nicht spurt Die schönheiten seiner natürlichen begierden kastriert dem wind erlaubt einem löffel einem angeschlagenen weißen krug in isolierte korridore mit so sauberen ziegeln hineinzuschlagen dass sie keine echos hören können (aus dem
Englischen von Ulrich Zieger) |