Kito Lorenc

Burleske

Dem alten Dichter standen Tränen in den Augen

von dem Fahrtwind auf der FichtelSachs.

Blutentnahme ließ ihn angezapft,

nach Stuhlabgabe lässig zugeknöpft

 

kam er heim. Hier buk er sich was Feines:

Mandelkuchen! (Die abgebrühten Kerne

schnipsten zwischen Daumen ihm und Zeigefinger

ähnlich kleinen DingsBums aus den Häuten.)

 

Sein Dackel auf dem Sofa knabbelte

inbrünstig schielend an den Batzln sich.

Auch das ist Fußpflege! Noch am Klavier

wackelte der Dichter, Gicht und Podagra

 

vorbeugend, mit dem eingestrichenen C. Schon

lange reimte er beim Dichten nicht mehr schlicht

am Zeilenende, doch binnen kam es vor,

auch in unbetonter Stellung, wo unverhofft

 

ihm Gereim entschlüpfte, das zunächst

auf einem Versfuß hinkte, später hüpfte

und sein Los verknüpfte mit entfernten Knöpfen

eines Hosenstalles, der halb offen stand

 

in manchen Köpfen. Das ist das Alter!

meinten die: Er kann den Reim nicht halten

mehr, verliert ihn schon vorm ersten Zeilen-

ende. Doch ganz dicht war der noch nie.

 

Zurück zur Auswahl