Alexandru Bulucz Carla Schwiegk
Gespräche mit Baumrinden II Wasserfelle
nie nahmst du’s mir ab Wie mein nasses Fell fällt...
als ich von Feldern grüner Pastinaken träumte Schweres Vlies quillt in das Tal.
war dir’s egal Weißes Geflocke schwillt überall widerwellig,
was sich verbarg im Geschmack wallt noch einmal gegen den Strich
des Dills in der Teigtaschenfüllung und legt sich dann verlockend gefällig
was Petersilie über die Seele zu sagen hat und eiskalt um meine Füße, in Ringen.
nie fragtest du nach In Schellen! Für einen Bruchteil
nicht nach den transsilvanischen Äpfeln steh ich glasklar, bis ich springe.
und warum sie in der Kälte der Erde lagern Luftkuss ins Laue! - schon im Fall.
nicht nach den Pilzen           Häute lass ich, Federn und Felle.
die Majka anbriet und salzte Welch ein Heulen und Wirbeln
den Zwetschgen dem Schnaps dem Urgroßvater an den Säulen der Buhne
dem Holzkreuz am Bach um einen vogelfreien Kiel.
nie hast du auf den Sonnenflecken im Zimmer Stromschnellen zwirbeln,
weißen Holunder trocknen lassen für Holunderwasser fleddern meine Schultern,
weder in Andrejs unreife Birnen gebissen bis zwei Flügelblätter flattern.
die ich am Wegrand für dich klaubte Das schmerzt und blaut mir Gänsehaut.
noch in die Quitten mit ihrer Bitterkeit Da, an dieser Stelle pflockt die Dune,
wie Emil der Rabe ein Anker von betörender Süße
nie vom Brot die dunkle Rinde gekaut sticht am Kreuz mir in die Zellen.
die Marmelade die Mutter uns brachte           Weder Schweif, noch Schwinge!
das weiße Hirn einer unreifen Walnuss Ich lass den Tag los,
deren Haut man mit den Nägeln abziehen muss hack die Flügel ab mit Zittern,
an keine Wand hast du Unsinn geschrieben trage rückenfrei. Ich bin kein Engel und
mit ihrer grünen Schale es treibt sich leichter splitternackt und bloß.
dir keinen Apfelstiel als die Erde gedacht Bis es duster wird, schneit es daunengroß
keinen Apfel als Sonne einen Himmel aus den Ästen, ein Federkleid
gabst keinem Aberglauben nach plustert sich im Fall und verschenkt sich lautlos
drehtest keinen Apfelstiel bis er abriss im Tosen um ein leeres Floß.
um zu erfahren wie viele Umläufe um die Sonne Keine ruhige Überfahrt vom Schoß zum Scheiden.
du noch brauchst bis zum Ende der Bahn           Sturmflut und Höhenflug.
wieder und wieder Das Rudern mit Schaum vorm Bug
flog der Stumpf deines Apfels auf den Kompost ohne Flaum. Kein Selbstbetrug.
nie hast du mit dem Hundebiss gerechnet Mir bleiben Glaube, Stern und Traum.
für zwei Süßkirschen aus Nachbars Garten Dass es mich im tiefen Grund ans Ufer schwemmt,
nie hat’s dich gejuckt will ich ertrinken. Bis meine Gebeine vollgesogen sind
wie am Rücken ein Hagebuttensamen und sinken, schwer wie Steine,
nie hast du beim Spargelstechen versucht nehm ich das Leben mir und häute mich:
den Schmerz aus deinem Rücken auszutreiben

          Vom ersten bis zum letzten Hemd.

mit dem Schmerz von Brennnesselhieben
bis Brennnessel Ersatz war
für Spinat Bärlauch für Knoblauch
nie hast du aus einem fremden fruchtbaren Boden
den Lauch samt Schwarzerde herausreißen müssen
dass die Schwarzerde in deiner Hand deinem Mund
sich verwandelt zu Schwarzrede an Gott
weil du kein Wasser hast
um die Erde abzuwaschen
nie war dein Hunger so groß
dass du andere hast hungern lassen
verzeih
dass der schlesische Engel nur mich besuchte
beim Pfandflaschensammeln
dass man auch nach Gedichten hungern kann
dass damit endlich Schluss ist
sag ich in den Rinden den Käfern
in winzigen Worten für winzige Schritte

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