Sergej Tenjatnikow Matthias Engels
Im Gedenken an J.А.Т.  NOCTURNE
prophezei mir mein Schicksal, Frau Sprache;  dein schlaf leichter als das schlüsselbein der schwalbe 
erteil das Visum, füll den Fragebogen aus.  und weiter dein blick als die verweinte landschaft 
ich kam zur Welt im rosa Jahr einundachtzig  mit den weben gegebener versprechen 
(zwischen gefrorener Erde und dem Kalkhimmel)  sind meine hände mit dem mahagoni vertäut 
in der Stadt, von der ich nichts wusste. 
und aus dem Grund unterschied ich mich  ein monument der unentschlossenheit
nicht im Geringsten von anderen Bewohnern der Ökumene:  hinter der steilen kreidestirn die gestirne
ich warf Steine nach Vögeln, hielt Münzen unter der Zunge,  und hinter der iris die weißen segel 
stand auf dem Kopf, lief Staffel.  kreiselnd und verkehrt ins negativ 
wie ich aber vom riesigen Fluss auch wegrannte, holte er mich ein. 
und im braunen Auge erschien das andere Ufer  das klagelied der nächtlich rangierten waggons
im Rauch der Schornsteine als Jenseits.  und das klicken der krallen auf schiefer
diese leere, perforiert von dingen 

ich wuchs im Land der Gulliverstiefel und Eichhörchenkleider auf, 

diese pufferzonen zwischen dir und jetzt
wanderte auf einem Esel durch den Raum. 
und die Sonne brannte meinen Kopf wie Ton.  die katastrophe die sich ankündigt 
ich war hungrig, aber doch zu jung, dass es mir  mit ein paar takten chopin 
um das Land leidtat, welches sich selbst dreimal aufaß,  und die euphorie wenn das desaster 
für seine Vergangenheit oder Gegenwart, die die Zukunft kaute.  wieder einen tag lang ausbleibt
ich ging zusammen mit anderen auf gleichen Pfaden, 
hatte gemeinschaftlich Grippe, trank rostigen Wodka.  dieses dickicht an eindeutigkeit
mit achtzehn wechselte ich Bettwäsche, die Schrift und dem Auge  und diese munter diffundierenden bilder
vertraute Gesichter. mein Gedächtnis wurde zu schwarzweißem Sepia.  und in regelmäßigem abstand 
und obwohl ich immer noch kein Gebet aufsagen kann… ich danke dir  diese aussichtsplattformen ins nichts
dafür, dass du mich nach deinem Ebenbild geschaffen hast. 

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