
| Editorial Heft 56 |
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Im Zentrum des
vorliegenden Heftes stehen zwei Interviews. Das eine ist ein nahezu
historisches Fundstück: ein Gespräch mit Jorge Luis Borges über „Leben
und Tod“. Der Übersetzerin Susanne Detering, die beinahe zufällig auf
dieses 1979 geführte Interview gestoßen ist, gelang es, die damalige Gesprächspartnerin
von Borges in Argentinien ausfindig zu machen. Liliana Heker schaut in einem
für unsere Zeitschrift verfassten kurzen Essay auf die schwierige Situation
in Argentinien im Jahr 1979 und die Umstände des mit Borges geführten
Gespräches zurück. Das Gespräch selbst hat keine Patina angesetzt. Borges
Unerschrockenheit und Souveränität beeindrucken heute wie vor 30 Jahren. Auch das Gespräch,
welches Bettina Eberspächer mit Stefan Chwin, einem der bedeutendsten
polnischen Romanciers der Gegenwart geführt hat, beeindruckt durch die
Souveränität, mit der Themen wie die Fremdheit, die Ästhetik des
Schrecklichen und die Unübersichtlichkeit der Welt behandelt werden. Chwin
wurde 1949 als Nachkomme litauischer Polen in Danzig geboren, wo auch der
Großteil seiner Romane handelt. Die Philosophie Nietzsches, die Ideenwelt
Dostojewskijs, deutsche und polnische Kultur stehen nebeneinander und gehen
eine Verbindung ein. Deutsches und
Polnisches berühren sich auch in Peter Gehrischs Roman „Kleine
schlesische Geisterbühne“, aus dem wir ein Kapitel im Vorabdruck
vorstellen. Die anderen im Heft abgedruckten Prosatexte – von Theodor Weißenborn,
Igor Schestkow und Andrej Tru – verbindet, dass sie Grenzsituationen
beschreiben: die Einsamkeit des Menschen vor Liebe und Gewalt. OSTRAGEHEGE wäre
aber nicht OSTRAGEHEGE, wenn nicht auch für diese Ausgabe Poesie aus allen
Himmelsrichtungen auf die Redaktion zugeflattert und von dieser mit Sorgfalt
zusammengetragen worden wäre. Insgesamt kommen 14 Dichterinnen und Dichter
zu Wort. Allen voran Sepp Mall mit seiner Hommage an den Schweizer
Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure, dessen „Rucksack“ er für
uns leert. Neu dürften für den deutsche Lyrikleser die kanadische
Dichterin Erín Moure und der rumänische Dichter Lucian Alexiu sein, neu
auch das sich über das A3-Format ausbreitende lyrische Gebilde „Departure“
von Walter Thümler. Anja Utler stellt in der nun schon 32.
„Lagebesprechung“ zur „Jungen deutschsprachigen Lyrik“ den in Wien
lebenden Dichter Robert Prosser vor. Neu in der Szene
ist auch Steffi Sahre, die erst in diesem Jahr ihr Studium an der Hochschule
für Grafik und Buchkunst in Leipzig beendet hat und dennoch bereits Preise
und Stipendien vorweisen kann. Auffällig an ihr ist der Drang sich mit
literarischen Themen auseinanderzusetzen. Im vorliegenden Heft finden sich
u. a. Arbeiten zu Thomas Manns „Tod in Venedig“ und Dostojewskijs „Der
Idiot“. Veränderungen
haben sich auch in der Redaktion ergeben, in der seit dieser Ausgabe
Jayne-Ann Igel die Stelle von Richard Thomas Günther einnimmt. |
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- Die Redaktion - |