
| Editorial Heft 59 |
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Unsere neue Ausgabe wird maßgeblich von Frauen bestimmt. Fast möchte man das denglische „Frauen-Power“ bemühen. Dies trifft auf die Kunst von Dagmar Ranft-Schinke mit Sicherheit zu; ihre kraftvollen farbigen Arbeiten geben dem Heft ein Gesicht. Als intensiv lässt sich auch ihre Lebens- und Arbeitsweise bezeichnen – Dagmar Ranft-Schinke ist eine Macherin, die sich einmischt, ob in die Gestaltung von urbanen Räumen in Chemnitz oder in das Gespräch zwischen Künstlern und Wissenschaftlern. Aus Argentinien kommt, dank unseres
Lateinamerika-Scouts Carlos A. Aguilera, eine phantasmagorische Prosa von
Frauen. „Kann es sein,
dass es ein Argentinien voller Irrer, vorüber fahrender Autos, die nie
stehen bleiben, Hunde mordender Zwerge und kurzsichtiger Killer und Toter
gibt? Ein postnukleares Argentinien? Wer die Erzählungen von drei der
vielleicht besten zeitgenössischen Erzählerinnen aus Buenos Aires liest,
wird diese Möglichkeit einräumen.“ (Aguilera) Mit Zsuzsanna Gahse gehen wir ein Stück weit an der Donau entlang, schauen schon vorab in ihr neues Buch „Donauwürfel“, welches im September in der Wiener Edition Korrespondenzen erscheint, und stöbern in ihren „Nachträglichen Notizen über die Donau“, die exklusiv für die Leser von OSTRAGEHEGE geschrieben wurden. Anja Utler macht uns in der Rubrik „Lagebesprechung – Junge deutschsprachige Lyrik“ mit Teresa Präauer aus Wien bekannt, einer Dichterin, die zugleich bildkünstlerisch arbeitet und filigrane Objekte voller Poesie entwickelt. Elke Erb lässt uns an ihren Nietzsche-Lektüren teilhaben. Eine spannendes Gedankenspiel, bei dem der rote Faden von Sils-Maria bis St. Petersburg reicht. Schließlich verlocken noch Katrin Heinaus Poem „Steinzeit“, die Prosatexte von Silke Peters und die Gedichte von Mariana Codruţ, Lisa Elsässer, Christiane Schulz, Klara Beten und Cordula Gast zu Entdeckungen. Damit die Männer nicht zu kurz kommen, erhalten sie, wie allzu häufig, das erste Wort. Kito Lorenc und Günter Kunert eröffnen das Heft mit ihren Gedichten, denen später die Gedichte von Uwe Grüning, Dieter Hoffmann und weiteren Dichtern folgen. Walter Schmitz zeigt uns Erich Kästner als eine zentrale Gestalt des Kabaretts der 1920er Jahre. Als besonderes Ereignis in der neuen Ausgabe kann „Petersburg“ betrachtet werden, ein von Bettina Eberspächer ausgegrabener früher Text von Boris L. Pasternak, der zum ersten Mal in deutscher Sprache erscheint. Eigentlich sollte man dieses Heft einrahmen, sagte uns ein neidischer Kollege. Dagegen spricht jedoch die Sehnsucht unserer Leser sich bei Lektüre und Betrachtung längerfristig zu vergnügen, ja, das OSTRAGEHEGE überall dabei zu haben. Und dagegen spricht nun rein gar nichts.
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- Die Redaktion - |